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Jul

Drink-Syndikat zu Besuch bei „Made in GSA“

von Anuj Jivabhai

Regionale Produkte liegen im Trend. So auch in der Spirituosen- und Cocktailwelt. Einen wichtigen Beitrag hierzu leistet nicht zuletzt der jährlich stattfindende Wettbewerb Made in GSA, der 2007 vom MIXOLOGY Magazin ins Leben gerufen wurde. Ich war beim Finale der Bar des Berliner Ritz Carlton Hotel dabei und habe mit dem diesjährigen Gewinner Alexander Mayer über seinen Gewinnerdrink, seine Vorlieben und künftige Bartrends gesprochen.

 
Made in GSA

 

Made in GSA – ein faszinierender Wettbewerb

 
Bei Made in GSA treten die talentiertesten und kreativsten Köpfe der deutschsprachigen Barszene gegeneinander an und lassen jede Facette ihrer eingereichten Kreationen von einer Expertenjury bewerten. Das Besondere: Im Vergleich zu vielen anderen Wettbewerben, steht hier keine Marke im Mittelpunkt, sondern eine Region – Germany, Switzerland, Austria (GSA). Der Charakter der vorgestellten Drinks muss durch den Einsatz heimischer und regionaler Produkte geprägt sein. Ob kreative Neukreation oder regionaler Twist eines Klassikers, ist dabei egal.

 

Finale im Berliner Ritz Carlton Hotel

Made in GSA - Teilnehmer Erwin Bröker Das diesjährige Finale fand in der kleinen, aber aufwendig gestalteten Fragrance Bar im Ritz Carlton Hotel in Berlin statt. Die Atmosphäre war insgesamt entspannt, während die besten Tropfen aus dem deutschsprachigen Raum ihren Weg in die Cocktail-Gläser der Teilnehmer fanden. Die Spannung in der Luft war dennoch spürbar. Hände wurden geschüttelt (nicht gerührt), während die Teilnehmer die bohrenden Fragen der Jury beantworteten und die Drinks zum Kosten an das Publikum verteilten.

 

Beeindruckende Drinks & große Show

Die Teilnehmer traten als Bartender in den Raum, obgleich sie zu gleichen Teilen als Schauspieler und Künstler auftraten. Jedes Detail war durchdacht, von eisgekühlten Steinen bis hin zur auf’s Zehntelgrad abgestimmten Temperatur der Drinks. Mein persönliches Highlight war die Ernsthaftigkeit mit welcher Erwin Bröker das Thema seines „Quitten Salbei Smash“ verkörperte (hier im Bild).

 

Der Made in GSA 2015 Gewinner ist ein Freiburger:
Alexander Mayer aus der Passage 46

Die Jury entschied sich für den Newcomer Alexander Mayer aus der Bar „Passage 46“ und seinen Drink „Cowbell“ – basierend auf einem Obstbrand und Buttermilch. Kurz nach der Preisverleihung sprachen wir mit Alexander – sichtlich euphorisiert.

 

 

Der Gewinner des diesjährigen Made in GSA: Alexander Mayer
Alexander Mayer bereitet seinen „Cowbell“ zu.

 

Lieber Alexander, herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Made in GSA 2015! Erzähle uns doch kurz was zu Deinem Hintergrund. Wie bist Du in die Barszene gekommen?

Ich komme ursprünglich aus dem Handwerk und habe Kunstschmied gelernt. In die Barszene bin ich nicht einfach so reingerutscht. Das war ein bewusster Schritt. Schnell habe ich tolle Leute – meine heutigen Chefs – kennengelernt, mit denen ich heute und hoffentlich nocht lange in der Passage 46 in Freiburg zusammenarbeite.
 
 
Was hat Dich motiviert, bei Made in GSA mitzumachen?

Hier geht es um regionale Produkte und es freut mich, wenn ich tolle Erzeugnisse aus der Heimat unterstützen kann. In der Region, aus der ich stamme, gibt es eine Menge feiner Brände, guten Wein und tolles Essen. Außerdem finde ich es angenehm, dass es bei diesem Wettbewerb nicht um eine bestimmte Marke geht. Wir können uns aus den heimischen Produkten ohne Einschränkungen frei bedienen. Dazu kommt, dass ich mich mit allen drei Ländern identifizieren kann. Das erste Mal stand ich in Wien hinter einer Bar. Die Schweiz kenne ich von vielen Ausflügen in die dortigen Berge. Aus Deutschland komme ich und habe meinen Lebensmittelpunkt hier.
Der Gewinner-Drink des diesjährigen Made in GSA Wettbewerb: Cowbell von Alexander Mayer aus der Passage 46

 
Wie heißt Dein Gewinner-Cocktail und was macht ihn so besonders?

Der Drink heißt „Cowbell“, also „Kuhglocke“. Ich verwende einen sehr guter Birnenbrand von Schladerer als Basis und etwas Belsazar Vermouth White, um dem Drink mehr Tiefe zu geben – dazu Buttermilch und Zucker. Vom Prinzip her ein Sour, wobei statt einer Zitrusfrucht die Buttermilch als Säurequelle dient. Den Abschluss bildet ein Tannenduft, den ich als Hauch auf den Drink gebe. Die Grundlage hierfür bildet Schladerer Williams Birne und ätherische Öle von der Tannenspitze, die darin gelöst werden. Der Drink schickt einen zunächst mit der Nase in den heimische Tannenwälder. Im Mund bildet sich ein sanft-weicher Birnengeschmack aus.

 
Das klingt wunderbar. Wir freuen uns schon, ihn gleich mal zu probieren. Gibt es eine besondere, persönliche Anekdote rund um die Made in GSA Competition?

Die gibt es. Ich habe am Samstag vor dem Wettbewerb 12 Stunden in der Bar gearbeitet und bin Sonntag morgen um 7 Uhr in den Zug nach Berlin gestiegen. Die ganze Nacht habe ich die ätherischen Öle der Tanne gesucht, aber nicht gefunden. So musste ich am Montag früh vor dem Wettbewerb in Berlin drei Stunden nach passenden Ölen suchen. Zum Glück konnte ich in einem Esoterik-Laden genau die gleichen Öle finden.

 
Dein Gewinner-Drink ist komplex in der Zubereitung. Aber sicher darf es auch mal etwas simpler zugehen. Was sind Deine Lieblingsdrinks und -Spirituosen?

Ich liebe Old Fashioned‘s. Man kann aus fast allen Spirituosen einen Old Fashioned machen. Spannend finde ich dabei die Frage nach der süßen Quelle. Ein Beispiel: Der Revolver – ein pfeffriger Bourbon wird mit Kaffeelikör und ein wenig Orange Bitters ergänzt, die wir beide bei uns in der Bar selbst herstellen. Das Resultat ist eine fabelhafte Old Fashioned Variante mit einer eigenen, ganz besonderen Note. Meine Lieblingsspirituosen? Da möchte ich mich nicht festlegen. Ich stehe auf ehrliche, meist braune Spirtuosen. Ein Whisky darf einfach sein, aber nicht billig. Wichtig ist die Herstellung. Diese muss hochwertig sein. Ich entdecke gerade Brände und Gin. Den Reiz am Gin habe ich lange Zeit nicht verstanden – bis vor kurzem.

 
Wenn wir schon beim Whisky sind. Welchen magst Du am liebsten?

Das ändert sich ständig. Im Moment: Nikka from the Barrel oder Aven Williams.

 
 
Aus Sicht eines Bartenders: Was sind für Dich die aktuell aufkommenden Trends der Barszene?

Was ich sehr erstaunlich finde: Der Gin-Trend reißt einfach nicht ab. Jeder Trend hat ein Ende, aber beim Gin scheint es endlos zu gehen. Bei uns im Süden ist der Obstbrand-Trend stark ausgeprägt, da wir hier auf hochwertige, heimische Zutaten zugreifen können. Im Cocktail-Bereich sind es die alternativen Zubereitungsformen, wie zum Beispiel Rotationsverdampfer, die wir auch in der Bar nutzen. Ich für mich entdecke gerade rauchige Whiskys oder Mezcals, die ich mit floralen Noten paare. Dadurch erzeuge ich erfrischende Drinks auf Basis von Spirituosen, wie Laphroig, von denen man diese Charaktereigenschaft so nicht erwarten würde.
 
Zum Schluss eine nicht ganz einfache Frage: Stelle Dir vor, Du könntest eine Drink-Syndikat Box kreieren. Welche drei Cocktails aus dem deutschsprachigen Raum würdest Du wählen?

Da fallen mir spontan ein:

  • Schlehgroni: Ein Negroni, bei dem der Gin durch einen Schlehenbrand ersetzt wird – ein wahnsinnig guter Drink.
  • Milky Mojito: Der Drink wurde vor kurzem in der Mixology präsentiert. Milch in einem Mojito? So ungewöhnlich, dass man ihn normalerweise nicht probieren würde. Aber ich kann es jedem nur raten. Es lohnt sich.
  • Zwei Drinks, die eigentlich die gleichen sind: Smoke von Knud Scheibelt aus der Schwarz-Weiß Bar. Das ist ein unglaublich toller Drink mit rauchigem Whisky, gemuddeltem Zitronengras, Zitrone und Ginger Beer. In der Passage 46 servieren wir mit dem Prof. Smoke einen kleinen Twist. Wir muddeln das Zitronengras nicht, sondern infusionieren es in Whisky. Als Garnitur nehmen wir eine Zimtstange, die wir kurz anzünden. Beide Drinks kann ich sehr empfehlen.

 

Alexander, wir danken Dir für das Interview und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg und kreative Ideen! Und natürlich viel Freude bei Deinem Made in GSA finanzierten Trip nach London, Paris und Rom.

Autor: Anuj Jivabhai

Bilderquelle: www.mixology.eu


Der Autor

Anuj Jivabhai

Kontakt: aj2094@hotmail.co.uk

 

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